Blick in die Nachbarschaft

Manchmal lohnt ein Blick in die Nachbarschaft, besonders dann, wenn ein mächtiger Kirchturm den Blick verstellen könnte. In Bonn haben sich Kirchen, Kaufleute und Handelsverbände zusammengesetzt, um nach den durch die Gewerkschaft Verdi initiierten Gerichtsprozessen gegen verkaufsoffene Sonntage eine gemeinsame Lösung zu finden. Das ist gelungen und das allein ist schon bemerkenswert. Das sonntägliche Hickhack ist beendet, elfmal wird geöffnet. Das gilt bis 2021.

Die berechtigten Interessen der Kirchen sind berücksichtigt, die der Kaufleute ebenso, aber auch die von den Bürgerinnen und Bürgern, die schlicht mal in aller Ruhe am Sonntag shoppen wollen. Und ich behaupte, die der Angestellten aus dem Einzelhandel auch. Sie stehen in aller Regel freiwillig und meistens sogar fröhlich am Kleiderregal oder an der Kasse.

Den Sonntagszuschlag für die zusätzlichen Anstrengungen als Äquivalent
im Hinterkopf. Zusatzgeld für Zusatzleistung, die sich zusätzlich ein wenig
im privaten Haushalt auswirkt. Daran kann ich nichts Schlechtes erkennen. Auch das ist ein Teil unserer Marktwirtschaft. Und keineswegs rücksichtslose Marktwirtschaft, schließlich sind die Interessen aller wie auch immer Beteiligten berücksichtigt.

Die Bonner Lösung zeigt auch, dass selbst bei völlig unterschiedlicher Interessenlage gemeinsames Denken mit anschließendem Handeln durchaus überzeugender sein kann als apodiktische Verbote, die auch noch mit aller Gewalt per Gerichtsbeschluss durchgesetzt werden müssen. Eingriffe des Staates, allemal das Einwirken von Gerichten, in das tägliche und auch sonntägliche Leben sollten sowieso immer die Ultima Ratio sein. Und wenn Funktionäre am Wochenende nicht arbeiten wollen, ist das sicher ihr gutes Recht, ihren Mitgliedern aber quasi diese Haltung auch aufzuzwingen, genauso sicher nicht.

Ihr
Jürgen Kleikamp
Herausgeber Top Magazin Köln
kleikamp@topkoeln.de

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