1909 | Berittene Soldaten der Kavallerie beobachten, wie das Luftschiff LZ5 in einer Halle in Bickendorf untergebracht wird.

Eigentlich begann die Geschichte des ersten Kölner Zeppelins mit einer Katastrophe: Am 5. August 1908 brannte der Zeppelin LZ4 innerhalb von Minuten bei Echterdingen aus.

Graf Zeppelin war ruiniert, da er sein gesamtes Vermögen in die Konstruktion des Luftschiffs gesteckt hatte. Aber noch während die Trümmer qualmten, spendeten die Echterdinger bereits Geld für ein neues Luftschiff.

Schließlich konnte es nicht angehen, dass die Franzosen einen technischen Vorsprung erreichten. Dieser Spendenbereitschaft schlossen sich viele Deutsche an. Der Graf war gerettet. Das neue Luftschiff bekam die Bezeichnung LZ5 und sollte am Montag, den 2. August 1909 – von der ersten Internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Frankfurt kommend – an die Garnison Köln übergeben werden. Diese Fahrt durch das Rheintal erregte eine heute nicht mehr nachvollziehbare Begeisterung.

Fluggeräte hatten seinerzeit die wenigsten in den Dörfern entlang des Rheins gesehen. Der erste Flugtag in Köln fand erst zwei Monate später, also Ende September, statt. Und nun kam ein deutschlandweit bekannter Gigant mit einer Länge von 136 Metern über den Rhein nach Köln. Aufgrund des enormen Interesses hatten sich entlang des Rheins bis nach Köln alle Gemeinden vorbereitet: Flaggen waren gesetzt, Schützenbrüder, Kommunionskinder, Gemeindehonoratioren waren angetreten, Kirchenglocken sollten läuten, es sollte Salut geschossen werden.

Erster Versuch fehlgeschlagen

Aber dazu kam es nicht. Bei Boppard verfinsterte sich der Himmel und ein Gewitter zog herauf. Um nicht vom Blitz getroffen zu werden, versuchte die Besatzung das Schiff möglichst tief unter der Gipfelhöhe der umliegenden Berge nach Norden zu steuern. Aufgrund des starken Gegenwinds musste LZ5 mit Graf Zeppelin an Bord aber auf der Loreley landen und wenig später den Rückmarsch nach Frankfurt antreten. Entlang des Rheins wurde das mit großer Enttäuschung aufgenommen.

Nur eine Gruppe freut sich – die Schulkinder. Denn wenn der Zeppelin zum zweiten Mal kommt, würde es wieder schulfrei geben. Der nächste Versuch startet drei Tage später am 5. August 1909 – und diesmal sollte es gelingen. Telegraphen kündigten von Koblenz aus die Ankunft des Luftschiff s an. Bei guter Sicht erschien LZ5 über Köln. Viele Bürger waren auf die Dächer geklettert, um die Ankunft des Zeppelins besser beobachten zu können. LZ5 umrundete zweimal den Dom und flog weiter nach Bickendorf, um vor der neuen Luftschiffh alle zu landen. Dort wurde Graf Zeppelin von Kölns damaligem Oberbürgermeister Wallraf, dem Kommandanten der Festung Cöln, General von Sperling, und rund 3000 Besuchern begrüßt.

„Et hät noch immer jot jejange“

Der Oberbürgermeister überreichte dem Luftfahrer einen Lorbeerkranz mit Schleifen in den Farben des Reiches und der Stadt Köln. Im Anschluss zogen die Zuschauer (!) – eine bunte Mischung aus Militär und Zivilisten – das Luftschiff in die neue Halle. Dabei wurde zur Verwunderung des schwäbischen Luftschiffkapitäns Hacker das Karnevalslied von Willi Ostermann gesungen: „Et hät noch immer jot jejange.“ Eine Anspielung auf den ersten Überführungsversuch drei Tage vorher.

Für Graf Zeppelin begann damit ein Triumphzug: Aus Deutz waren die Kürassiere in ihrer weißen Galauniform erschienen, um dem Grafen in einem „Blumenkorso“ – bestehend aus Autos, die mit Blumen geschmückt waren – in seine Unterkunft in die Herwarthstraße zu eskortieren. Die Strecke ging die Venloer Straße herunter bis zu den Ringen, von dort bis zum Bayenturm, am Rheinufer entlang, über den Alter Markt am Dom vorbei und durch die Komödienstraße in die Herwarthstraße. Dort sollte der Graf, immerhin schon 71 Jahre alt, im Haus des Rechtsbeigeordneten Walter Laué übernachten. Noch heute erinnert eine Inschrift am Haus an dieses Ereignis.

Zu Ehren Graf Zeppelins hatte die Stadt Köln abends in der Neumarkt-Kaserne zum Empfang geladen. Natürlich wussten die Kölner, wo sich der prominente Graf aufh ielt. Auf dem Neumarkt sammelte sich eine große Menschenmenge und rief ihn mit den damals üblichen Hurra- und Hoch-Rufen auf den Balkon der Neumarkt-Kaserne. Daraufhin wählte der Graf zufällig einen jungen Mann aus der Zuschauermenge, winkte ihn zu sich auf den Balkon und dankte ihm stellvertretend für alle Kölnerinnen und Kölner per Handschlag für die Luftschiff spende.

An dieser deutschen Luftschiff spende hatte Köln als eine der größten Städte Deutschlands einen entsprechend großen Anteil. Als Erinnerung an dieses Ereignis wurde die Straße, die dort auf den Neumarkt stößt, Zeppelinstraße genannt.

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