Top Magazin sprach mit dem Steuerexperten Thorsten U. Schmidt über die steuerlich optimale Planung von Feiern.

Nicht nur zur Karnevalszeit soll man die Feste feiern, wie sie fallen. Und so lässt man sich als guter Chef auch nicht lumpen, wenn es darum geht, ein kleines Fest mit der Belegschaft zu feiern. Im Allgemeinen werden diese Kosten auch steuerlich als Betriebsausgaben anerkannt, sofern es sich nicht um offensichtlich unangemessene Veranstaltungen handelt, die nicht mehr im eigenbetrieblichen Interesse eines Arbeitgebers liegen.


Problematisch dabei ist unter Umständen nur, dass die Kosten für eine solche Feier beim Arbeitnehmer als geldwerter Vorteil zu behandeln sind, soweit diese den Freibetrag von 110 Euro je Mitarbeiter übersteigen. Entfallen auf den Einzelnen beispielsweise 150 Euro, sind 40 Euro steuer- und sozialversicherungspflichtig. Da dies natürlich beim Mitarbeiter einen bitteren Nachgeschmack erzeugt, können Arbeitgeber in diesen Fällen in der Regel die Lohnsteuer mit 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer pauschalieren und die Steuerzahlung übernehmen. Der Vorteil dabei: Der Steuersatz dürfte meist günstiger sein, die reguläre Lohnsteuer und auch Sozialversicherungsbeiträge fallen in diesem Fall nicht an.

Thorsten
U. Schmidt

Der Freibetrag von 110 Euro steht jedem Mitarbeiter jeweils für maximal zwei Betriebsveranstaltungen im Jahr zu. Wurde der Freibetrag bei der ersten Veranstaltung nicht in voller Höhe ausgenutzt, kann er allerdings nicht auf die zweite Feier übertragen werden. Das dritte Fest ist in jedem Fall voll steuer- und sozialversicherungspflichtig, sofern der Arbeitgeber dies nicht pauschal versteuert. Einzubeziehen sind dabei grundsätzlich alle Kosten, die für die Veranstaltung anfallen, wie Reisekosten, Übernachtungskosten, Raummiete, Entertainment, Verpfl egung, Getränke, Geschenke und anderes. Die Kosten sind im Übrigen immer brutto anzusetzen. Ob der Unternehmer aus den anfallenden Kosten (teilweise) Vorsteuer geltend machen kann, spielt dabei keine Rolle.

»Der Freibetrag von 110 Euro steht jedem Mitarbeiter jeweils für maximal zwei Betriebsveranstaltungen im Jahr zu.«

Thorsten U. Schmidt, Rechtsanwalt & Geschäftsführer Deltax Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft

Fehlende Mitarbeiter

Für den Unternehmer bedeutet das mitunter eine Rechnung mit spitzem Bleistift, damit die Gesamtkosten geteilt durch die Mitarbeiterzahl im Rahmen bleiben. Doch was, wenn dann doch einige Mitarbeiter plötzlich ihre Teilnahme an der geplanten Feier absagen? Werden dann diese anteiligen geplanten Kosten auf die anderen umgelegt mit der Folge, dass der Unternehmer nachversteuern muss? Nein, entschied hierzu das Finanzgericht Köln (Az 3 K 870/17) und stellt sich damit ausdrücklich gegen eine bundeseinheitliche Anweisung der Finanzverwaltung. Endgültige Klärung muss nun der Bundesfinanzhof in einem Revisionsverfahren (Az VI R 31/18) schaffen.

Feiern mit Angehörigen

Einige Arbeitgeber laden auch gern die Angehörigen der Mitarbeiter ein. Der Vorteil ist nicht von der Hand zu weisen, denn ein in das Arbeitsumfeld des Mitarbeiters integrierter Partner hat mit Sicherheit mehr Verständnis, wenn Überstunden anfallen oder auch mal Samstagsarbeit ansteht. Doch diese auf den Partner entfallenden Kosten sind dem jeweiligen Arbeitnehmer als eigener geldwerter Vorteil zuzurechnen. Wer also ein ganzes Familienfest mit Kind und Kegel veranstalten will, sollte genau kalkulieren, ob hierfür genügend Mitarbeiter beschäftigt sind und er somit innerhalb der Freibetragsgrenzen bleibt.

Ausnahme: Jubiläumsfeiern

Bei einem Firmenjubiläum oder einer Verabschiedung handelt es sich hingegen nicht um eine Betriebsveranstaltung im steuerlichen Sinn. Neben zwei Betriebsveranstaltungen pro Jahr können daher viele weitere Feste gefeiert werden. Natürlich sollte der Anlass hieb- und stichfest sein, da es andernfalls bei der nächsten Lohnsteuer- oder Sozialversicherungsprüfung zum Fiasko kommen dürfte. Die Kosten eines solchen Jubiläums führen bei den Mitarbeitern ebenfalls bis zu einem Betrag von 110 Euro nicht zu einem geldwerten Vorteil. Doch anders als bei Betriebsveranstaltungen handelt es sich hierbei um eine Freigrenze. Wird diese Freigrenze auch nur geringfügig überschritten, ist der gesamte Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig. Doppelt bitter ist dann insbesondere, dass in einem solchen Fall auch die oben genannte Lohnsteuerpauschalierung nicht zulässig ist und der Arbeitgeber in der Regel auch noch den Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung tragen muss, wenn der Fehler erst bei einer Prüfung auffällt.

Interessant ist ebenfalls zu wissen, dass es derzeit höchstrichterlich noch nicht geklärt ist, ob auch bei Jubiläen und Verabschiedungen sämtliche Kosten mit zu berücksichtigen sind oder nur die Kosten, die ein Arbeitnehmer auch tatsächlich als Vorteil erkennen und konsumieren kann. In diesem Fall müssten die Kosten für eine Busreise zu einem Veranstaltungsort oder die Anmietung eines Festsaals dann nicht mit bei der Freigrenze von 110 Euro berücksichtigt werden. Wer Ärger aus dem Weg gehen will, geht jedoch auf Nummer sicher und gibt bei einem Jubiläum insgesamt nicht mehr als 110 Euro brutto je Mitarbeiter aus.

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