Der Karneval in Köln ist für die Stadt nicht nur von kultureller Bedeutung. Auch das Image der Rheinmetropole sowie die lokale Ökonomie werden maßgeblich von dem Brauchtumsfest geprägt. Die Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) hat die Wirtschaftskraft des Volksfestes evaluiert, während eine Umfrage der Rheinischen Fachhochschule Köln die Meinung der Bürger zum Brauchtum beleuchtete.

Bereits im Jahr 2009 hatte es eine ähnliche Studie der BCG gegeben. Sie diente als Basis für die aktuellen Zahlen, die staunen lassen. So ist die Wirtschaftskraft des Kölner Karnevals in den vergangenen zehn Jahren um satte 30 Prozent auf rund 600 Millionen Euro gestiegen. Das bedeutet eine direkte Sicherung von rund 6500 Arbeitsplätzen. Somit entspricht die Wirtschaftskraft des Kölner Karnevals der jährlichen Wirtschaftsleistung einer deutschen Stadt mit rund 15 000 Einwohnern. „Die Umsätze im Karneval verteilen sich zu ungefähr gleichen Teilen aufdie Bereiche Sitzungen und Bälle, Umzüge sowie den Kneipenkarneval“, weiß Jochen Schönfelder, Partner bei BCG.

Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, ergänzt: „Gastronomie, Hotelgewerbe und Einzelhandel profitieren vom stetigen Zulauf karnevalsbegeisterter Feiernder aus Köln, dem Umland und ganz Deutschland.“ Die Zahlen belegen: Die Hotellerie hat ihren Umsatz im Vergleich zum Beobachtungszeitraum 2008 um 43 Prozent auf 63 Millionen Euro gesteigert. Gastronomie und Verzehr verzeichnen ein Plus von 34 Prozent auf 257 Millionen, und auch die Textilindustrie erwirtschaftet Umsätze in Höhe von 110 Millionen – also rund 41 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

„Die Befragung zeigt aber auch überraschend deutlich, dass es der Wunsch vieler junger Jecken ist, den Karneval sehr traditionell und typisch kölsch zu feiern“, so Kuckelkorn weiter. Zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag 2018 sowie rund um den 11.11.2018 hatte die Fachhochschule rund 2750 Jecke auf der Straße sowie über ein Onlineportal befragt.

97 Prozent aller Befragten gaben an, den Karneval als kulturelles Highlight, als einzigartig im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen und als wichtigen Beitrag zur Brauchtumspflege zu erleben. Trotz einiger negativer Begleiterscheinungen wie übermäßigem Müll oder Alkoholkonsum wirkt sich der Karneval damit vor allem positiv auf das Image der Stadt aus.

Nahezu alle Umfrageteilnehmer können sich Köln ohne den Karneval nicht vorstellen. Rund 36 Prozent der Befragten gaben zudem an, selbst ehrenamtlich im Kölner Karneval aktiv zu sein. Balance zwischen Kulturgut und Kommerz „Unser wichtigstes Ziel wird auch künftig sein, die Balance zwischen dem Wirtschaftsfaktor und dem Kulturgut Karneval zu halten. Wir brauchen finanziell ein sicheres Fundament, um die Vielfalt unseres Festes zu erhalten und beispielsweise Nonprofit-Veranstaltungen zu finanzieren.

Gleichzeitig müssen wir kontinuierlich Aufklärungsarbeit leisten und Menschen für den eigentlichen Kern des Festes begeistern und gewinnen, damit für den Nachwuchs gesorgt ist“, resümiert Christoph Kuckelkorn. Die Untersuchungen von BCG und RFH seien überaus hilfreich für die Arbeit im Festkomitee-Vorstand. Damit habe man verlässliche Daten und Handlungsempfehlungen, aus denen sich konkrete Planungen für die Zukunft ableiten lassen – auch für die Zusammenarbeit mit der Stadt Köln.

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