Das Coronavirus trifft auch das Handwerk in Köln und der Region mit voller Wucht. Kurzfristig durchgeführte Eil-Umfragen unter den Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer zu Köln zeigen, wie stark das regionale Handwerk von der gegenwärtigen Krise betroffen ist.

Präsident Hans-Peter Wollseifer und Hauptgeschäftsführer Garrelt Duin sind besorgt, schauen aber ebenso nach vorne, um die Betriebe durch die größte Krise der Nachkriegszeit zu steuern. Dennoch fallen bei ihren Überlegungen Worte wie aktuelle Liquiditätsengpässe, Kreditbedarf, Kurzarbeit und Personalabbau.

In der Krise sind wir glücklicherweise nicht allein. Wir sind froh, dass die Bundesregierung so besonnen und umsichtig reagiert und handelt“, sagt Hans-Peter Wollseifer. Gerade das Handwerk sei besonders stark betroffen, denn „es ist ja Prinzip von Handwerkern, nahe am Kunden zu sein“. Doch genau dieser nahe Kontakt müsse jetzt unterbunden werden, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

»Wir führen täglich Gespräche mit Handwerkern, die Unterstützung in
dieser schwierigen Zeit suchen.«

HWK-Präsident Hans-Peter Wollseifer

Wollseifer: „Die Mitarbeiter der Kölner Handwerkskammer zu Köln arbeiten derzeit am Limit. Täglich führen sie unzählige, mitunter sehr emotionale Gespräche am Telefon mit Handwerkern, die Unterstützung in dieser schwierigen Zeit suchen. Dabei geht es vom konkreten Beratungsbedarf bis hin zu massiven existenziellen Sorgen, die die Menschen umtreiben: Gewerbemiete, Löhne, das Wegbrechen der Kundschaft – gerade die kleineren Unternehmen des Handwerks haben oft nur Rücklagen für drei bis vier Wochen, dann droht schon das Aus. Das ist durchaus dramatisch, denn im Handwerk haben wir oft fast familiäre Betriebsstrukturen; da hängen Schicksale dran.“

Betroffenheit ist groß

Laut den ersten aktuellen Umfragen der Handwerkskammer (Stand: 20. März 2020) sehen sich in den Städten Köln und Bonn bisher 57,7 Prozent der Kölner Unternehmen „betroffen“ – Tendenz steigend. In Bonn und Leverkusen sind es sogar 58,2 Prozent der befragten Betriebe. Im Rhein-Erft-Kreis und im Oberbergischen Kreis berichten rund 51,7 Prozent, sie spürten Auswirkungen. Im Rhein-Sieg-Kreis sind es 51 Prozent und im Rheinisch-Bergischen Kreis knapp 54,4 Prozent. Allerdings dürften die Zahlen bei Einschränkungen über mehrere Wochen deutlich nach oben korrigiert werden, befürchtet HWK-Hauptgeschäftsführer Garrelt Duin.

Wichtig aus Sicht des regionalen Handwerks seien in jedem Falle – darin sind sich Präsident Wollseifer und Hauptgeschäftsführer Duin einig – wirtschaftspolitische Fakten, damit so viele Handwerksunternehmen wie möglich die Corona-Krise überleben. Nachdruck verleiht die Handwerkskammer ihrer Forderung nach unbürokratischer Soforthilfe für in Not geratene Betriebe anhand der erarbeiteten Zahlen, die sich wöchentlich aktualisieren und erneuern.

»Gerade die kleineren Unternehmen des Handwerks haben oft nur Rücklagen für drei bis vier Wochen, dann droht schon das Aus.«

HWK-Präsident Hans-Peter Wollseifer

Mithin sei es nicht nur die nachlassende Kundennachfrage, von der die Handwerksbetriebe getroffen werden. Auch Lieferketten für Material und Produkte geraten zunehmend in Gefahr. Hingegen sehen (noch) mehr als die Hälfte der Ausbauhandwerker ihre eigene Liefer- und Dienstleistungsfähigkeit als kaum negativ beeinflusst an. Die höchsten Betroffenheitswerte indes sind bei Kfz-Betrieben, Nahrungsmittelhandwerken und bei Unternehmen des Gesundheitshandwerks verzeichnet.

Übrigens: Mit eigenen Preiserhöhungen in der Krise rechnen derzeit die wenigsten Unternehmen. Besonders die Nahrungsmittelhandwerke sehen sich keinem Preiskampf ausgesetzt. Knapp 70 Prozent berichten, ihre Preise seien stabil.

Erhebliche Umsatzeinbußen

Allerdings kalkulieren nahezu alle Handwerksbranchen mit teilweise erheblichen Umsatzeinbußen. Bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf sind es 36 Prozent, bei den Kfz-Handwerken 43,6 Prozent und bei den Handwerken für den privaten Bedarf sogar fast 50 Prozent der Unternehmen, die starke bis sehr starke Umsatzrückgänge verbuchen. Beunruhigend ist, dass über 60 Prozent der Unternehmen – und zwar über alle Handwerke hinweg – Liquiditätsprobleme erwarten. Allen voran die Gesundheitshandwerke fürchten um ihre Liquidität (65,7 Prozent), dicht gefolgt von den Kfz-Betrieben (65,3 Prozent). „Diese Tage setzen uns allen zu. Täglich, fast stündlich steigt die Zahl der Infektionen – und damit auch die Belastung der Handwerksbetriebe, die ja weiterhin ihren Dienst verrichten“, sagt Garrelt Duin. „Als Handwerkskammer zu Köln arbeiten wir unermüdlich an unserem Beitrag zur Bewältigung dieser Krise. Wir beraten die Handwerker auf elektronischem und telefonischem Wege; denn für nahezu alle Beteiligten, ob Azubi oder Meister, stellen sich jetzt unendlich viele Fragen, die über den bloßen Gesundheitsschutz weit hinausgehen. Besorgnis erregend: Je länger unsere Umfrage andauerte, umso düsterer war die Einschätzung der teilnehmenden Unternehmen.“

Schnell und unbürokratische Hilfe

Vor allem die Tatsache, dass zahlreiche Unternehmen „von der Hand in den Mund“ leben und nur wenige Rücklagen haben bilden können, führe schnell zu mangelnder Liquidität, so Duin. Jedoch freute er sich über die Aussagen vieler Geschäftsführer, dass sie keinesfalls Personal abbauen wollen, um der Krise zu begegnen. „Man rückt in der Krise zusammen und denkt an die Menschen. Leute vor die Türe zu setzen ist das letzte Mittel unserer angeschlossenen Unternehmen“, analysiert Duin.

Deswegen sei es bitter nötig, dass die versprochenen Mittel und Instrumente der Bundesregierung zügig zur Verfügung stehen – Kurzarbeit, Steuerstundungen, schnelle und unbürokratische Kredite ohne langwierige Fortführungsprognose, Zuschüsse und was auch immer sonst nötig ist. „Wir wollen entschieden mithelfen, damit diese verfluchte Infektionskette unterbrochen wird“, formuliert Duin drastisch. Und Hans Peter Wollseifer ergänzt: „Dazu benötigen wir aber dringend die Mittel und Instrumente seitens der Regierung – und zwar schnell sowie ohne bürokratische Tretminen.“

Mehr Informationen der Handwerkskammer zu Köln: www.hwk-koeln.de

Was bedeutet „Covid-19“?

Der Name Coronavirus stammt aus dem Lateinischen und steht für Krone oder Heiligenschein – in Anlehnung an die Form, an die der Erreger unter dem Mikroskop erinnert. Die Coronavirus-Familie hat viele Typen, die den Mensch befallen können. Einige lösen eine gewöhnliche Erkältung aus, während andere, die ihren Ursprung in Fledermäusen, Kamelen und anderen Tieren haben, in schwere Krankheiten wie Sars oder Mers (Mittlerer-Osten-Atemwegssyndrom) ausgeartet sind. Das nun erstmals in China entdeckte Sars-CoV-2 ist ein neuer Stamm, den man zuvor noch nicht beim Menschen gefunden hatte. Der offizielle Name für die neue Krankheit lautet inzwischen „Covid-19“. CO steht für Corona, VI für Virus, D für Krankheit (disease) und 19 für das Jahr, in dem es auftauchte. Die ersten Fälle traten im Dezember 2019 in Wuhan auf, einer Stadt in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Viele Betroffene hatten zuvor den Fischmarkt der Metropole besucht oder dort gearbeitet. Seit Auftreten der Fälle ist der Markt zwecks Untersuchungen geschlossen. Es wird vermutet, dass das Virus zunächst von Tier zu Mensch übertragen worden ist – und inzwischen von Mensch zu Mensch.

Woher kommt das Virus?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sucht noch nach der tierischen Quelle für das neue Virus. Bekannt ist: Das Reservoir aller Coronaviren sind bestimmte Fledermaus-Arten, die Hufeisennasen-Fledermäuse. Da Fledermaus und Mensch nicht so eng in Berührung kommen, dass eine Übertragung stattfinden könnte, geht die Wissenschaft von einem Zwischenwirt aus. Christian Drosten, Virologe von der Charité, sprach sich gegen die Theorie chinesischer Wissenschaftler aus, dass das sogenannte „Schuppentier“ oder Tannenzapfentier dieser Zwischenwirt sein könnte: „Schuppentiere fressen keine Fledermäuse, und wir würden schon eher eine fleischfressende Tierart vermuten, die Fledermäuse jagt.“

Mehr Nachrichten aus Ihrer Region finden Sie in unserer aktuellen Frühjahrsausgabe. Viel Vergnügen!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.